Meet your monsters - ein Ritual für dich und all deine kleinen Monster und inneren Dämonen

Nicht erst seit der wundervollen Voice Dialogue Technik von Hal und Sidra Stone kennen wir die inneren Anteile, die verschiedenen Stimmen in unserem Kopf und Herzen, die manches Mal so gar nicht unterstützend sein können… Es ist also nicht neu, sich dieser Anteile bewusst zu werden und all das aus dem Schatten ins Bewusstsein zu holen, was da innen wie außen wirkt und das eigene Leben lenkt.

Wir leben in einer wunderbaren Zeit, in der wir uns die Kraft uralter Rituale heranholen und diese mit modernen Erkenntnissen und Methoden verbinden können. Was für ein Geschenk! Für mich ist das, als ob ich mich mit meinen Wurzeln tief verbinden und gleichzeitig die Äste weit hinauf in den Himmel und auch in die Breite strecken kann.
Vielleicht fragst du dich jetzt: Wie sieht das ganz praktisch aus? Kurz vor der Wintersonnenwende habe ich in einer schamanischen Reise diverse Infos zu einem Ritual gezeigt bekommen, das für die jetzige Zeit heilsam und klärend sein soll - und habe die einzelnen „Bausteine“ für mich übersetzt, für die heutige Zeit anwendbar gemacht und es natürlich auch direkt ausprobiert.

Heute gebe ich es von Herzen gern an all jene weiter, die es für sich nutzen möchten.

 

Die Wilde Jagd

 

Spätestens im Dezember beginnt es mit immer kälteren Stürmen, die am Haus rütteln und noch intensiver wehen als die Herbstwinde, die das Laub von den Blättern mitnehmen. In die Mythologie zog in Skandinavien die Odensjakt (Odins Jagd) oder Fahrt nach Asgard, in unseren Landen sowie in England die Wilde Jagd (Wild Hunt) ein, die insbesondere zwischen der Wintersonnenwende, Weihnachten und dem Dreikönigstag tobt - also in der Zeit der Rauhnächte. Letztere wurden einst wohl ab dem 21.12. und seit der römischen Antike ab dem 25.12. begangen und erfreuen sich heutzutage wieder großer Beliebtheit. Teilweise werden den 12 Nächten bestimmte Themen, Eigenschaften oder der Monat im kommenden Jahr zugeschrieben und der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. In alter Zeit war dies ganz klar die Phase des kühlen Winters, alles war hoffentlich gut in den Erntespeichern verstaut und genug Feuerholz oder getrockneter Dung vorhanden. Rauhe Winde, die sich mit dichtem Nebel abwechselten - also unwirtliches Wetter im Außen, weshalb man lieber drinnen blieb. Es raunte ums Haus herum und es heißt, daher wurde auch innen geraunt - was heute mit magischem Zauber, Runen werfen, Orakeln aller Art übersetzt wird. Hier trifft das unwirtliche Äußere auf den Mythos, den unsere Ahnen uns hinterlassen haben: die Wilde Jagd. Wie der Beiname „Zug bzw. Fahrt nach Asgard“ zeigt, ist es ein Heer aus Jägern, welches Richtung Asgard über die Lande zieht. Es hat stets einen Anführer und meistens wird hier Odin genannt. Die rauen Winde finden sich in der Beschreibung des Stöhnens, Rasselns, Keuchens, Heulens, Johlens und Ächzens der Wesen der Wilden Jagd wieder. Zudem werden die herumirrenden (verstorbenen) Seelen von diesem Geisterheer eingesammelt. Aus beiden Gründen blieb man lieber im Haus - man wollte weder vom eiskalten Wind erfasst werden noch riskieren, dass man vom Heer der Verstorbenen versehentlich eingesammelt wird und mit ihnen gen Asgard reist. Es war also eine Zeit der häuslichen Gemütlichkeit, die Arbeit wurde niedergelegt und man wendete sich nach innen. Dies findet sich heute noch in den vielfältigen modernen Ritualen rund um die Rauhnächte wieder.
In diesem alltagstauglichen Ritual wagen wir uns trotz allem nach draußen und geben der Wilden Jagd wohlüberlegt all das mit, das wir „sterben lassen“ bzw. transformieren möchten. Wir geben es vertrauensvoll dem Winterwind, Odin, den Göttern oder unseren Ahnen mit (was immer es für dich ist). Ein bisschen so, wie die tibetischen Buddhisten ihre Gebete auf kleine Fahnen schreiben und diese dem Wind überantworten, damit er sie in die Welt trage … nur wilder 😉 So nutzen wir das weise Geschenk, das in den Mythen unserer Vorfahren überliefert wurde und verknüpfen es mit moderner Persönlichkeitsentwicklung, die in dieser Form auch direkt unser magisches inneres Kind anspricht und uns offen für Staunen und Wunder inmitten des Alltags sein lässt. Also einfach mal tief durchatmen, ausmisten und alles loslassen, was jetzt ohnehin nicht mehr dienlich ist - die Wilde Jagd fegt es mit hinweg.



Meet your monsters


Für dieses transformierende Ritual nimm dir zunächst ein wenig Zeit für eine Innenschau und ein Journaling. Gerne nutze dazu folgende Impulsfragen:


In welchen Bereichen deines Lebens lauern Schatten, die es sich näher anzuschauen lohnt?
Welche kleinen Monster zeigen sich in deinem Alltag?
Zu welchen Gelegenheiten spürst du innere Dämonen, die dein Handeln, Sprechen und Sein mehr lenken, als du es möchtest?
Welche Rollen magst du nicht mehr spielen (weil sie sich in dir verselbstständigt haben)?
Welche Masken magst du ablegen?
Wie würdest du sie charakterisieren?
Beschreibe diese fiesen Seiten wie einzelne Persönlichkeiten und wenn du magst, gib ihnen Namen…
Wer wohnt da in dir, den du nun zum Ausziehen bewegen magst?


Gib dir selbst ausreichend Raum und Zeit, diesen Fragen nachzuspüren und den Charakteren nachzusinnen, die dir während deiner Innenschau begegnen. Entscheide dann ganz bewusst, bei welchen es an der Zeit ist, dass sie gehen und du sie herzlich verabschieden kannst.  Gern drücke auch deine Dankbarkeit für die Erfahrung und Erkenntnis aus, sowie für all das, wovor dich diese Dämonen und Monster bewahrt haben - denn da ist immer ein Gutes daran, etwas, das uns irgendwie zur Seite stand und geholfen hat, bis wir nun einen anderen Umgang gefunden haben und es sich so überholt hat, dass wir es nun wieder loslassen möchten. Leben ist Entwicklung und an irgendeinem Punkt war dir dieses Monster einmal dienlich. Wenn wir diesen Schatten ins Licht des Bewusstseins holen und sogar den Punkt finden, an dem wir dankbar dafür sein können, ist es uns möglich, viel leichter loszulassen.


Vorbereitung und Materialien


Male deine stellvertretenden Monster am besten mit Wasserfarben auf kleine Stücke Pappkarton (ca. 10 cm x 5 cm) und fädele diese auf eine Schnur (Wolle oder grober Bindfaden).  Natürlich kannst du auch andere Materialien verwenden (wie Stofffetzen, leere Klopapierrollen etc.) und andere Farben wählen (Filzstifte, Acrylfarben etc.), doch mit dem oben genannten Vorschlag funktioniert es meiner Erfahrung nach am leichtesten und hat im Zusammenwirken mit den Elementen den schönsten Effekt.


Das Ritual


Widme dich jeder einzelnen Monsterpersönlichkeit nacheinander. Beginne zum Beispiel mit der „ungeduldigen Furie“ in dir, die schneller aufbraust, als sie sollte - wie sieht sie aus? Welche Farben assoziierst du mit ihr? Und dann nimm eins deiner Stellvertreter-Stofffetzen/Kartons und male sie darauf - mit genau dem Gesichtsausdruck oder der Fratze, die du vor deinem inneren Auge siehst, wenn du an einen Moment denkst, in dem sie in dir lebendig wird und das Ruder übernimmt. Wann immer ihre Wesenszüge sichtbare Gestalt angenommen haben, widme dich dem nächsten Monster in dir, das du verabschieden möchtest… bis du sie alle in Form und Farbe vor dir hast. Nach und nach fädele sie auf die Schnur auf.
Mit deiner „Monster-Gebetsfahne“ mach einen Spaziergang zu einem Baum, der dir passend erscheint. Am besten gehst du nicht zu weit weg von deinem Haus - denn es zieht ja die wilde Jagd übers Land 😉 Es darf also durchaus in deinem Garten sein, wenn du das Glück hast, einen zu haben - und falls du in der Stadt lebst, wäre auch dein Balkongitter eine Alternative. Gern nimm ein paar Gaben wie Samen oder Nüsse mit, die du als Dank an diesem Ort in der Natur ablegen kannst.
Wenn du deinen passenden Baum gefunden hast, stimme dich noch einmal auf jedes einzelne Monster ein und hauche ihm deinen Atem ein, um den Stellvertreter lebendig werden zu lassen und einem nach dem anderen noch einmal ganz bewusst zu begegnen. Wende dich nun an den Baum, dem du die Monster übergeben wirst und an die Wilde Jagd, die sie mitnehmen darf. Gern sprich ein paar Worte aus, einen Wunsch, ein Gebet, einen Segen und gib schließlich dem Baum deine Monster vertrauensvoll in seine Äste. Knüpfe die beiden Enden nicht zu eng um den jeweiligen Ast, so dass er noch wachsen kann.
Wenn du magst, besuche den Baum nach einer Weile wieder und schau mal, was geschehen ist… Nach einer Weile werden die Farben vom Regen (oder vom Schnee) ausgewaschen sein oder einfach verblassen, womit deine Monster vom Wetter und den Elementen mitgenommen wurden. Dann kannst du deine Karton-Fahne abnehmen und in einer kleinen Zeremonie z.B. dem (Kamin-)Feuer übergeben.

Ist es nicht ein herrliches Gefühl, die magische Welt der alten Götter lebendig werden zu lassen und dennoch ganz bodenständig hier und jetzt zu leben?
Gerade da es aus unseren Traditionen so wenig schriftlich Überliefertes gibt, sind wir alle aufgerufen, unsere Traditionen neu zu kreieren und hier auch mal mutig den Anfang des Neuen zu bilden.

Gerade jetzt zu diesem kraftvollen Neujahrsbeginn in 2020 und einer Ausrichtung unserer Selbst für einen kraftvollen weiteren Weg - setze den Samen im Feld deines Lebens.
Ich freue mich, wenn ich dich inspirieren durfte - danke dafür!

 

Wenn du dich tiefer in die Zeitqualität und Sternenkonstellation inkl. dem jetzigen Neumond und der Sonnenfinsternis einstimmen magst, empfehle ich dir von Herzen die beiden Beiträge von Luisa Carla Hartmann.

Für den Januar 2020 findest du HIER mehr.

 

Meinen Artikel zu Ritualarbeit findest du im Heilnetz-OWL Lexikon.