Fast vergessene Traditionen und ihre Kraft

Wir haben das große Glück in einer Welt zu leben, in der immer mehr Menschen das vielfältige Wissen der alten Weisheitstraditionen zugänglich gemacht wird. All die versteckten Hüter der Weisheit, die das Wissen sicher bewahrt und über die Zeit getragen haben - für jene, die eines Tages dafür bereit sein werden.
 
In unterschiedlichsten Verkleidungen kommen die heiligen Geschichten zu uns - als Märchen, Folklore, Sprichwörter, Legenden, Mythen, Sagen - und erzählen von den unvergänglichen Themen. Sie nähren die zarte Stimme der Erinnerung in uns und lassen sie mit jeder weiteren Geschichte ein wenig lauter erklingen. Wir mögen die Sprache altbacken finden, die Moral nicht gleich kapieren, die Symbole nicht sofort entschlüsseln und teils befremdlich finden ... doch je mehr Mythen wir lesen, je mehr Märchen wir zuhören, je mehr wir uns dem hingeben, was dies tief im Inneren anrührt - desto mehr wird die neue Geschichte erwachsen und wir selbst werden zu den Geschichtenerzählern der jetzigen Zeit. Wir nehmen den Faden auf, der einst gesponnen wurde, egal, wie zart und brüchig er jetzt noch ist, und spinnen ihn sanft weiter, spinnen ihn neu und weben die alten Weisheiten weiter fort.


Ungebrochener Schamanismus in Nepal


Auf diesem Foto siehst du mich mit einer alten Schamanentrommel aus Nepal, total vintage sozusagen.  Ich nutze sie voller Freude und Hingabe für besondere Zwecke, zu denen sie mit mir zusammenarbeiten mag. Als ich mit einer lieben Freundin und Kollegin in Nepal bei einer Schamanenfamilie lernen durfte, haben wir die verschiedenen Trommeln zu uns sprechen lassen - ob überhaupt eine mitkommen mag, für uns bestimmt ist und wenn ja: welche und zu welchem Zweck? Ich habe damals die Augen geschlossen und nur mein Herz hören lassen. Diese Trommel war es dann.

Obwohl es eine beeindruckende Erfahrung war, in einem Land (dem einzigen auf dieser Welt), in dem der Schamanismus nie gebrochen war und bei einer Familie mit ungebrochener Schamanenlinie zu sein - so war doch die Reise mit jener Trommel am beeindruckendsten, denn sie brachte mir ziemlich unsanft, klar und deutlich die Erkenntnis, dass ich nicht in ferne Länder reisen muss, um kraftvolles Wirken zu lernen und zu erfahren. Diese Erkenntnis war nicht zum ersten Mal da, es gab sie in ähnlicher Form auch Jahre zuvor in Nordamerika und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, so war es mir bereits beim Schreiben meines ersten Flyers zu Beginn meiner Praxistätigkeit klar. Also beschämte es mich und rüttelte mich auf - kraftvoll und klar. Dieses alte Wesen hat es damit geschafft, dass ich es nicht mehr nur weiß oder sage, sondern endlich auch leben kann. Ich habe verinnerlicht, dass es auch gilt, neue Traditionen zu weben und sich zuvor tief in die eigenen Wurzeln hineinzubegeben und davor keine Angst zu haben. Ich bin zutiefst dankbar für dieses unvergessliche Erlebnis, denn manchmal braucht es eben die Erschütterung und auch Zerstörung, um daraus neu emporzusteigen und den ureigenen Weg zu gehen.



Indigene Spiritualität als heilsame Erinnerung



Indigene Spiritualität hat die Kraft, uns an unsere so reichen eigenen Mythen und Rituale zu erinnern, die einst so kraftvoll gelebt wurden. An all die Wurzeln, die tief in der Erde schlummern und nun bereit sind, wieder zu erwachen.

Wird uns altes wichtiges Wissen überliefert, so schwingt ein Klang der Erinnerung mit, der uns sanft von unserem Wissensschatz zuflüstert ... Es geht nicht um einen sogenannten Kulturklau und die Vereinnahmung anderer Riten, Geschichten und heiligen Glaubensvorstellungen und ebenso wenig um ein "Nachspielen". Wenn wir das Geschenk erhalten, diesen traditionellen Zeremonien beiwohnen zu dürfen - so werden sie uns berühren und das Sehnen im Herzen so erwecken, das wir uns aufmachen zu graben, zu forschen, zu beleben ... All das wiederzubeleben und zu erinnern, was direkt unter unseren Füßen schlummert.

Was wäre, wenn wir alle uns an unsere "indigene Seele" erinnern?
Was wäre, wenn wir wieder tief empfinden, Indigene von Mutter Erde zu sein und verwandt mit allen Wesen?
Was wäre ...


Das Indigene weckt häufig ganz direkt unsere Sehnsucht, die tief im Inneren ruft und berührt unsere Herzen mit einer warmen Erinnerung an das, was einst war. Mit dieser Wärme ist es an uns, das Feuer neu zu entfachen und aus dem kleinen Sehnsuchtsfunken so viel mehr werden zu lassen. Mögen sich überall wieder die gemütlichen Lagerfeuer entzünden, an denen die alten Geschichten von neuen Geschichtenerzählern berichtet werden und gemeinsam kraftvoll Rituale geteilt und Zeremonien gefeiert werden.



Naturspiritualität leben



Die Erde unter unseren Füßen nährt die Erinnerung, die mit jedem Schritt wieder Funken in uns schlagen darf, bis das Feuer hell lodert. Hier kann unser Herz sich wärmen, hier kann Sehnsucht wieder wahr werden, hier kann träumen wieder echtes Erleben werden ...

Es kann so einfach sein, sich wieder an eine tiefgehende Naturspiritualität anzunähern und an etwas Kraftvolles anzudocken. Dazu brauchst du weder ein besonderes Equipment, noch Bücher, noch Lehrer*innen. Jeden Spaziergang kannst du dieser Innenschau, diesem Lernen von der großen grünen Lehrerin und auch deiner Visionsfindung widmen, wenn du das magst. So lernst du ganz direkt von der (in meinen Augen) größten Lehrerin, die uns allen zur Verfügung steht: der Erde. Mit all ihren Geschöpfen.

Wenn du ganz einfach beginnen magst, kannst du dich also auf einen Spaziergang begeben und vorab beispielsweise eine Intention wie diese setzen:

Was ist heute wichtig für mich?


Was magst du mich heute lehren, Mutter Erde?

Worauf soll ich meinen Fokus richten?

(deine eigenen Worte können hier durchaus am kraftvollsten sein - denn DU weißt, was jetzt wichtig ist und deine Formulierung spricht möglicherweise mehr zu dir, als meine oder die anderer)
 
Kleine feine Alltagsfragen können ebenso Teil des Spazierganges und der „Medizinwanderung“ werden, wie große Lebensfragen.
Es kommt ganz darauf an, welches Anliegen dich bewegt und wieviel Zeit und Energie du deinem Anliegen gerade widmen kannst.



Alte Kraftorte - alte Lieder der Seele



Wenn du eine zentrale Lebensthematik beleuchten magst, empfiehlt es sich, einen ganzen Tag dafür zu verwenden, den du ausschließlich dieser Innenschau und „Schule der Natur“ widmest und alle Störungen außen vor lässt. Ebenso empfiehlt sich hier ein sogenanntes Utiseta (wörtlich in etwa: draußen sitzen) und an einem geeigneten Platz einige Zeit ganz still zu sitzen, körperlich nahezu unbeweglich zu bleiben und dafür den Geist frei fliegen lassen - auf dass er weit hinausfliegt und alles erkundet, anschaut und zurückbringt, was nun an Wissen und Weisheit dienlich ist. Dein Gang wird dir eine Stelle offenbaren, die für dein Anliegen passend ist und dann: einfach still draußen sitzen. Du wirst so viel mehr erfahren, als du dir nun vorstellen kannst. Diese alte Methode ist inhaltlich verwandt mit der Visionssuche, die hierzulande bekannter ist, obwohl sie aus der Ferne stammt 😉. Es lohnt sich immer wieder, wenn wir in den bruchstückhaft übermittelten Traditionen unserer Landstriche forschen, denn wir werden den einen oder anderen Schatz heben. Die alten Kraftplätze speichern alles ab, sie haben also auch die Kraft, dich zu erinnern, wenn du kommst, deine Fragen stellst, praktizierst … und ebenso erinnern sie sich, wenn sie wahrnehmen, was du tust - denn sie haben es lange vorher erlebt und verinnerlicht. Es ist platt gesagt ein Win-Win.

Lass dich von den Orten erinnern und erinnere die Orte. So nährt sich etwas in der Erde und in dir. So erwachen längst verschüttete Fähigkeiten, Traditionen und Lieder. Es ist an uns, diese Lieder wiederzuerwecken und zu singen.
Mögen wir die alten Lieder verinnerlichen und ganz neu interpretieren.
Mögen wir sie singen - ohne Scheu, ohne Scham, ohne Zurückhaltung, dafür voller Kraft, Liebe und Hingabe.


Auf der Suche nach Wissen


Und wenn du irgendwann nach all der Annäherung und Selbsterfahrung Bücherwissen, Erfahrungswissen und Weisheit von menschlichen Lehrer*innen oder ähnliches ersehnst - einfach, weil wir Menschen uns so gern austauschen, einander unsere Geschichten erzählen, miteinander teilen möchten und das Gefühl von Gemeinschaft, echter Zugehörigkeit und auch dem Zuspruch „ja, das kenne ich auch, das ist „normal“…“ einfach manchmal brauchen - dann findest du einige wirklich wundervolle naturspirituelle Lehrer*innen und Bücher in unserer Welt.

Danke, dass ich dich heute mit diesen Zeilen inspirieren darf.

Es ist mir ein Herzensanliegen, die so bodenständige erdverbundene, heilsame, naturverehrende Tradition unserer Wälder wieder ins Bewusstsein zu rufen. Die Heiligen Haine wiederzubeleben - an allen Orten, nicht nur hier. Doch hier haben wir derzeit einen Ort geschaffen, an dem es den Menschen im Kreis ums Feuer sitzend leichtfällt, wieder einzutauchen, sich berühren zu lassen und diese Berührtheit und empfundene Kraft von hier hinaus in die Welt zu tragen. Auf dass sie dann an diesem Ort ebenfalls lebt.

Dirk und ich geben unser Bestes, um Mythen leicht zugänglich zu machen und humorvoll weiterzugeben, tief in alte Rituale zu tauchen und damit das Urwissen in uns selbst und gern auch dir wachzurufen, damit du daraus schöpfen kannst.

Wir sind dankbar mit so vielen Menschen vernetzt zu sein, die ähnliches tun. Wir alle auf unsere Weise.
Mögen wir kraftvolle Fäden spinnen, die uns in Zeiten des Umbruchs Halt geben und in Zeiten des Abenteuers zu neuen Ufern geleiten.

 

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Wenn du weiter zu diesen Themen lesen magst, schau mal hier:

Was ist eine Völva?

oder etwas für deine persönliche Praxis bei den vielen Ritualen zu unterschiedlichen Themen, die ich hier teile...

 

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